Aktuelles | 26.05.2023 | C. Bertelsmann, Pantheon

Henry Kissinger wird 100

Henry Kissinger

Wir gratulieren unserem langjährigen C.Bertelsmann-Autor.

Am Samstag, dem 27. Mai, feiert der »Jahrhundertstratege« seinen 100. Geburtstag.

Er gilt als der berühmteste Diplomat der USA: Als Außenminister und Sicherheitsberater Richard Nixons prägte Henry Kissinger, der am kommenden Samstag seinen 100. Geburtstag feiert, die Politik der Vereinigten Staaten und galt als treibende Kraft der Entspannungspolitik im Kalten Krieg. Für das Waffenstillstands- und Abzugsabkommen mit Vietnam erhielt er 1973 den Friedensnobelpreis.

Bis heute tritt Henry Kissinger als impulsgebende intellektuelle Stimme in Erscheinung und beeinflusst den öffentlichen Diskurs – zum Beispiel als er vor den Folgen der Corona-Pandemie auf die globale Ordnung warnte. Er befürchtete, dass die Menschen das Vertrauen in politische Institutionen nachhaltig verlieren könnten. »Die Wahrheit ist: Die Welt wird nach dem Coronavirus nicht mehr dieselbe sein.«

Henry Kissinger, Weltordnung

Die Frage, wie wir in einer eng vernetzten Welt ein Regelwerk finden, das Machtgleichgewichte austariert und Menschen mit unterschiedlichen Kulturen, Geschichten und Traditionen gleichermaßen achtet, steht stets im Mittelpunkt seines Denkens. In seinem Buch »Weltordnung«, 2014 bei C. Bertelsmann erschienen, analysiert der ehemalige Außenminister und emeritierte Harvard-Professor die Entstehung der unterschiedlichen Ordnungssysteme in China, den islamischen Ländern oder im Westen und unternimmt den Versuch, den Grundstein für eine zukünftige friedliche Weltordnung zu legen. Es gebe kaum ein anderes Werk, schrieb das Handelsblatt über den Bestseller, »das sich kenntnisreicher mit der in Unordnung geratenen Welt auseinandersetzt«.

Henry Kissinger, China

In seinen Büchern gelingt Henry Kissinger eine meisterhafte Verbindung wissenschaftlicher und politischer Perspektiven sowie persönlicher Erfahrungen. In »China«, seinem bereits 2011 bei C. Bertelsmann veröffentlichten Bestseller, beschreibt Kissinger das konfuzianisch geprägte Selbstverständnis des Landes sowie seine Entwicklung zur heutigen Supermacht und analysiert frühzeitig seine geopolitische und weltwirtschaftliche Bedeutung. Dabei kann er auf Erkenntnisse aus über 50 diplomatischen Besuchen im »Reich der Mitte« und eine Vielzahl von Gesprächen mit führenden chinesischen Politikern zurückgreifen.

1938 war Kissinger mit seinen Eltern als deutscher Jude aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA emigriert und hatte die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Mit der Wahl Richard Nixons zum Präsidenten stieg er zum offiziellen Berater für Außen- und Sicherheitspolitik auf und übernahm 1973 zusätzlich das Amt des Außenministers. Seine Karriere blieb nicht frei von Kritik. Seine strikt verfolgte Realpolitik macht ihn zu einem umstrittenen politischen Akteur. Befürworter seines Kurses betonen jedoch vor allem seine Eigenschaften als Friedensstifter: So bereitete er den Rückzug Amerikas aus Vietnam ebenso vor wie Rüstungsabkommen mit der Sowjetunion und Friedensregelungen im Nahen Osten.

Kissinger, Staatskunst

Sein Insiderwissen verarbeitet Henry Kissinger immer wieder als Buchautor – eine Rolle, die sein Image als scharfsichtiger Diplomat weiter festigt. In seinen Memoiren, die in drei Bänden bei C.Bertelsmann erschienen sind, sowie in seinen nachfolgenden Bestsellern zeigt er sich zudem als hervorragender Stilist und zeichnet einfühlsame Porträts seiner politischen Zeitgenossen. So auch in seinem 2022 bei C.Bertelsmann erschienenen Buch »Staatskunst«, in dem er dem politischen Führungspersonal unserer Zeit »Sechs Lektionen für das 21. Jahrhundert« erteilt: »Das Kriterium, nach dem Politiker in historischer Sicht beurteilt werden, ist und bleibt jedoch dasselbe: mit Vision und Hingabe die gegebene Umstände zu überwinden«. In der Tat suchen Spitzenpolitiker, Staatspräsidenten und Konzernvorstände bis heute seinen Rat.

In einem im April 2023 geführten Interview mit dem Londoner Economist verriet er vor kurzem, dass er an zwei weiteren Büchern arbeite. Befragt zum Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine plädierte er im Interesse eines dauerhaften Friedens in Europa für die Aufnahme der Ukraine in die Nato, um sie nach der massiven Aufrüstung mit den modernsten Waffen zu kontrollieren und zugleich zu schützen.

Ob mit seinen Büchern, durch Interviews oder öffentliche Auftritte - Henry Kissingers politischer Einfluss ist auch im hohen Alter ungebrochen. Nur die amerikanische Präsidentschaft blieb ihm als gebürtigem Deutschen verwehrt. »Ich habe mir alle möglichen Tricks ausgedacht, wie ich dieses Hindernis überwinden kann«, kommentiert er dies anlässlich seines 90. Geburtstags nicht ohne Humor.

»Der Jahrhundertstratege und Strippenzieher für alles Globale«, wie ihn die Süddeutsche Zeitung Anfang 2020 nannte, ist bis heute eine vielbeachtete Stimme zum Weltgeschehen.

Wir gratulieren unserem Autor zum 100. Geburtstag!

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